ARNSTEINER ABEND
Donnerstag, 8. August 2024, 19:00 Uhr
"Eine Frau von der Sonne umkleidet – die Apokalypse in der Buchmalerei"
Bilder-Vortrag von Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Uni Bonn
Die Apokalypse oder Geheime Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Auf der griechischen Insel Patmos erfuhr der von Kaiser Domitian dorthin verbannte Johannes seine Vision vom Weltende und Jüngsten Gericht mit anschließendem Anbruch des Reich Gottes und schrieb alles in einer stark bildhaften Sprache nieder.
Kein Wunder, dass seine dramatischen Formulierungen immer wieder die Schreibermönche in den Klöstern herausforderten, die Geschehnisse in Bilder umzuwandeln. Allein die originellen Ideen, wie man bei dem siebenköpfigen Drachen alle Hälse mit Köpfen bestückte und sie aus dem Körper herauswachsen ließ, fordern zu einer amüsanten „Tour“ durch die verschiedenen Apokalypsen heraus.
Die große Beliebtheit der Apokalypse bei adeligen Laien im 13. und 14. Jahrhundert mag nicht nur im religiösen Gehalt, sondern auch in ihrer Nähe zum literarischen Genre liegen: Jenseitsreisen, Ungeheuer, der Kampf des Guten gegen das Böse und die Verteidigung christlicher Werte waren zentrale Elemente der in ganz Europa verbreiteten Artus- und Ritterromane.
Eine der bekanntesten ist wohl die Bamberger Apokalypse (Seit 2024 im Weltdokumente-Erbe der UNESCO!), entstanden vor etwa 1000 Jahren in einem Kloster im Bodensee. Über 100 goldene Rankeninitialen gliedern den Text, der von mehreren Schreibern in lateinischer Sprache auf Pergament niedergeschrieben und mit insgesamt 57 überwiegend ganzseitigen Bildern reich ausgestattet ist.
Ein eigener Kosmos in der Welt der Apokalypsen sind die Beatus-Apokalypsen, illuminierte Manuskripte eines Beatus von Liébana zugeschriebenen Apokalypse-Kommentars, der Ende des 8. Jahrhunderts im Königreich Asturien entstand, als man dort und anderswo das Ende der Welt erwartete.
Die meisten der 26 bekannten Beatus-Handschriften wurden zwischen dem letzten Viertel des 8. und dem 12. Jahrhundert in Nordspanien angefertigt. Sie begeistern durch ihre feurigen Farben und den unverkennbar maurischen Einfluss.